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Obstbau in Sachsen:

Gereift seit 1514

1514

Der Obstbau in Sachsen hat eine lange Tradition

  • 1514 war die Lateinschule Annaberg bereits Eigentümerin eines großen Obstgartens.
  • 1571 verfasste Kurfürst August von Sachsen höchstselbst ein Obst- und Gartenbüchlein und förderte den Austausch von Obstsorten zwischen den deutschen Ländern.
  • 1572 wurden 4.000 junge und gepfropfte Obstbäume nach Dresden geholt, weitere 5.000 Bäume gingen nach Stolpen, Senftenberg, Hohenstein und Pirna.

16. Jahrhundert

Ehestandsgesetz zur Förderung des Obstbaus

Kurfürst August von Sachsen verfügt ein Ehestandsgesetz: Eheleute müssen je zwei Obstbäume auf eigenem Boden pflanzen und hegen.

Kurfürst August als Förderer des Obstbaus in Sachsen

(Wandgemälde in der Albrechtsburg Meißen)

17 Jahrhundert

Der 30-jährige Krieg

Auch der Obstbau in Sachsen litt unter der allgemeinen Zerstörung während des 30-jährigen Krieges.

  • Unter dem starken Einfluss des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg fördern die sächsischen Kurfürsten Johann Georg II. und Johann Georg III. den Obstbau.
  • Als besonders tüchtig gelten zu dieser Zeit die eingewanderten Niederländer.
  • Prediger wurden beauftragt, die Pfarrkinder zu fleißigen Pflanzungen anzuhalten.

18. Jahrhundert

Ausweitung der Pflanzung von Obstbäumen

  • Unter August dem Starken mussten Eheleute vor oder zu Beginn der Ehe sechs gute Obstbäume auf eigenem Boden pflanzen.
  • Unter Kurfürst Friedrich August III. wurden zwischen 1769 und 1793 jedes Jahr 20.000 bis 25.000 Obstbäume als Hochzeitsbäume gepflanzt.
  • Er zahlte für 1.000 gepflanzte Obstbäume eine Prämie von 10 Talern. 1801 waren bereits 32.000 Obstbäume gepflanzt.

19. Jahrhundert

Der Beginn eines neuen Zeitalters im Obstbau

1816 wurde im Großen Garten in Dresden die Landesbaumschule gegründet. Die Jahre 1847 bis 1850 waren schwere Zeiten für den sächsischen Obstbau. Den Markt beherrschte böhmisches Obst und es konnten kaum die Kosten der Ernte erlöst werden; die Äpfel wurden an die Tiere verfüttert.

  • Anfang des 19. Jahrhunderts war der sogenannte ,Borsdorfer Apfel‘ die sächsische Nationalfrucht und wurde auch auf der Leipziger Messe verkauft.
  • Die Äpfel wurden von russischen Händlern aufgekauft und als ,Sächsische Apfelsine‘ auf den Weihnachtsmärkten in Moskau und Petersburg angeboten.

1874

Erste Gründung eines Obstbauvereins

1874 wurde ein Landesobstbauverein für das Königreich Sachsen gegründet. In ihm waren 42 Bezirksobstbauvereine mit insgesamt 3091 Mitgliedern organisiert.

  • Ziel war es, den Obstbau zu fördern, entsprechende Einrichtungen zu schaffen, Baumwärter auszubilden und Reiser zu sichten und zu verteilen. Stätten waren die Lehranstalten in Rötha und Bautzen.
  • 1901 wurde der obstbauliche Lehrgarten der Landwirtschaftsschule Wurzen gegründet.

1878

Definition eines Obstsortiments

1878 wurde für das Königreich Sachsen erstmals ein Normal-Obstsortiment mit 75 Apfel- und Birnensorten, 25 Kirsch- und Pflaumensorten, 5 Aprikosensorten und 10 Pfirsichsorten herausgegeben. 1888 wurde die Auswahl an anbauwürdigen Früchten auf nur noch je 15 Apfel- und Birnensorten eingegrenzt. Sachsen folgt zunehmend dem Vorbild Amerikas, grössere Mengen einer Sorte auf den Markt zu bringen.

  • Gleichzeitig rückt neben dem bäuerlichen Anbau der Formobstbau in den Vordergrund und wird 1887 auf der Internationalen Gartenbauausstellung in Dresden dargestellt.
  • Ende des 19. und eingangs des 20. Jahrhunderts wird die Arbeit des Landesobstbauvereins zunehmend vom Markt bestimmt.
  • 1902 übernimmt der verein in Eigenregie eine Obstvermittlungsstelle für Obst aus dem Königreich Sachsen.

1900

Ausbau von Forschung und Lehre

Darüberhinaus nimmt die Bedeutung an Forschung und Lehre zu. Die Obst- und Gartenbauschulen in Bautzen und Rötha bieten 1900 ein umfassendes obstbauliches Lehrprogramm für den Obstbau im Nebenerwerb an.

  • Bereits 1881 finden Obstverwertungslehrkurse statt und ab 1898 unterrichten Obstbauwanderlehrer an landwirtschaftlichen Schulen.
  • 1885 gibt es in Sachsen sieben Keltereien. Zu den damals größten zählen die Kelterei des Rittergutes in Rottwerndorf und die Kelterei von Emil Donath im Lockwitzgrund.

1900 -1945

Abkehr von der Mischkultur

In der Zeit nach dem 1. Weltkrieg wird die große Bedeutung des Obstbaus für eine gesunde Ernährung der sächsischen Bevölkerung deutlich. Zur Entwicklung eines leistungsfähigen Obstbaus wird jedoch die Abkehr von der bis dahin bestehenden Mischkultur notwendig.

Bepflanzungsformen von Terrassen, Böschungen und Bergabhängen nach Ablösung der Mischkultur. Ziel war es, Apfelbäume in Obstanlagen in einem Abstand von vier mal vier Metern (das entspricht 625 Bäumen je Hektar) zu pflanzen.

1922

Gründung einer Staatslehranstalt für Gartenbau in Pillnitz

Zu Beginn der Dreißiger Jahre gilt es, den Obstbau als einen für sich bestehenden Teilbetrieb der Bauernwirtschaft anzugliedern. Um die obstbaulichen Kenntnisse der Betriebe zu verbessern, wird 1922 die Höhere Staatslehranstalt für Gartenbau in Pillnitz als Forschungs- und Versuchseinrichtung gegründet und setzt bald wichtige Impulse für den sächsischen Obstbau.

Der wichtigste Teil des sächsischen Obstbaus liegt in dieser Zeit in den Händen der sächsischen Landwirtschaft. Bis hinauf in 600 m Höhe gibt es kaum ein Dorf, das nicht seine Obstbäume in Bauerngärten und Viehweiden hat. Güter mit mehreren tausend Obstbäumen sind nicht selten.

Der Landesverband „Sächsisches Obst“ e. V. vertritt die Interessen der Obstbaubetriebe in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Angebaut werden Äpfel, Sauerkirschen, Süßkirschen, Pflaumen, Birnen und Beerenobst.

Kontakt

Dorfplatz 2 01809 Dohna OT Borthen
Tel.: 0351-2 64 10 74
Fax: 0351-2 64 10 75

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